Zeitungstheater

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Das Zeitungstheater ist ebenfalls eine Technik aus dem von Augusto Boal entwickelten Theater der Unterdrückten. Die Grundlage bilden Zeitungsartikel, Überschriften, aber auch Bücher, Reden usw. Aus den Meldungen und Berichten wird die Szene entwickelt. Die Teilnehmer lernen zunächst verschiedene Methoden des Lesens kennen und versuchen, über die Meldung hinaus deren Ursprung und Hintergrund zu erfassen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kurz und knapp

  • 20 Personen
  • 2 Stunden
  • Seminarraum, mehrere kleine Räume, Zeitungsartikel, Texte

[Bearbeiten] Durchführung

1. Die Teilnehmer wählen aus, welche Meldungen bearbeitet werden sollen. [15 Minuten]

2. In Kleingruppen werden verschiedene Techniken des Lesens geübt. Die Teilnehmer sollten sich für einige entscheiden, die sie vertiefen und einüben. [30 Minuten]

3. Im Anschluss entwickeln die Kleingruppen eine Szene zu der Meldung und spielen sie im Plenum. [45 Minuten]

4. In der Diskussion wird auf das Thema und die Empfindungen der Spieler und des Publikums eingegangen. [30 Minuten]

[Bearbeiten] Techniken des Zeitungstheaters

[Bearbeiten] Einfaches Lesen

Die Meldung wird kommentarlos vorgelesen.

[Bearbeiten] Vervollständigendes Lesen

Der Meldung wird eine zusätzliche Aussage hinzugefügt. Beispiel: Die Meldung „Wer die Freiheit liebt, wählt Stroessner“ (Präsidentschaftskandidat von Brasilien) wird ergänzt durch „...andernfalls holt dich die Polizei!“

[Bearbeiten] Gekoppeltes Lesen

Es werden Meldungen aus mehreren Artikeln vorgelesen, die sich widersprechen, dementieren oder aufheben.

[Bearbeiten] Rhythmisches Lesen

Durch das rhythmische Vortragen eines Textes werden bestimmte Assoziationen geweckt. Beispiel: Rede einer Politikerin bzw. eines Politikers im Marsch-, Tango- oder Walzerrhythmus.

[Bearbeiten] Untermaltes Lesen

Ähnlich wie beim vervollständigenden Lesen werden hier die Aussagen durch Zusätze ergänzt. Diesmal jedoch durch Werbeaussagen (Wahlkampfphrasen) der Politiker.

[Bearbeiten] Pantomimisches Lesen

Durch einen gewollt großen Gegensatz zwischen Text und Präsentation soll die Aussage karikiert werden. Beispiel: Rede des Wirtschaftsministers über den Ernst der Lage. Der vortragende Schauspieler sitzt dabei an einem reichlich gedeckten Tisch.

[Bearbeiten] Improvisation

Als Variante zum pantomimischen Lesen wird hier die Meldung szenisch nachgezeichnet.

[Bearbeiten] Historisches Lesen

Die Meldung wird mit ähnlichen geschichtlichen Ereignissen in Beziehung gesetzt. Es geht darum, sich die historischen Alternativen zu vergegenwärtigen, um aus der Geschichte zu lernen.

[Bearbeiten] Konkretisieren

Das abgenutzte Vokabular der Nachrichten, das die einzelne Information unter Umständen verdeckt, verringert die Aussagekraft der Meldung. Die Meldung wird szenisch dargestellt, um zu zeigen, was wirklich berichtet werden soll.

[Bearbeiten] Pointiertes Lesen

Eine Meldung wird durch eine andere denkbare, aber nicht abgedruckte Meldung kommentiert. Beispiel: Bericht vom Staatsbegräbnis eines ermordeten Admirals mit ausführlicher Beschreibung der Trauerkleidung der Gäste. Bericht von einem Kinderbegräbnis in einem Elendsviertel und davon, wie Eltern ihre Trauerkleidung beim Trödler erstehen.

[Bearbeiten] Kontext-Lesen

In manchen hochstilisierten Berichterstattungen werden nur die Einzelheiten vermarktet („verschlagzeilt“), jedoch über die wahren Sachverhalte wird nicht berichtet. Durch eine szenische Darstellung nach dem Vorlesen der Meldung wird dies nachgeholt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Augusto Boal, 1989
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