Typografie

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Typografie ist die Kunst mittels Buchstaben Lesbares zu erschaffen. Da Schrift aus unserem spätmodernen Leben nicht wegzudenken ist, spielt sie eine so große Rolle, dass nur die wenigsten Menschen sie bewusst wahrnehmen. Auch wenn Schriftsatz somit eine Kunst ist, die dem Alltag und dem Gebrauch nahesteht, ist er dennoch eine angewandte Kunst. Das bedeutet: Auch wenn Word, [OpenOffice] oder [LibreOffice] uns heute viele Möglichkeiten geben, Texte in einem Arbeitsgang zu schreiben und zu gestalten, wenn etwas schlecht gesetzt ist, fällt es trotzdem auf. In diesem Abschnitt möchten wir euch dabei unterstützen, eure Texte und Materialien mit den Mitteln der Schrift gut in Szene zu setzen.

[Bearbeiten] Verständlichkeit erhöhen

Die grundlegenden Festlegungen der Schriftfunktionen für diese Toolbox
Typographie hat eine ganz elementare Aufgabe: Sie kann für mehr Verständlichkeit sorgen. Lesbarkeit eines Textes, das sind Logik, Ordnung und Übersichtlickeit. Allerdings kann Schrift nur zu mehr Lesbarkeit beitragen, wenn auch die Texte einigermaßen klar sind: Gut aufeinander aufbauende Gedanken, präsentiert in einer klaren Struktur. Wie das am Beispiel dieser Toolbox geschieht, zeigt die Box rechts.

Sehr oft findet diese typographische/strukturelle Festlegung eher assoziativ statt oder dann, wenn der Text bereits erstellt ist. Wer Text und Struktur nicht von Anfang an im Blick hat, sondern den Text nur von den eigenen Gedanken her entwickelt, muss dann mit viel Mühe anpassen. Dabei wirkt dann beides schnell unbefriedigend: Sowohl der Text als auch die Gestaltung. Die nachfolgenden Prinzipien helfen, die Synergie zwischen Schrift und Text herzustellen:

  • Funktionen wie Überschriften, Zitate, Hervorhebungen in gleicher Weise im gesamten Dokument verwenden
  • Beschränkung dabei auf wenige Schriftarten, Schriftgrößen und -stile
  • Formatvorlagen für Texte benutzen
  • Textgliederung vorher festlegen und vereinheitlichen für alle Abschnitte
  • Textstile vereinheitlichen, "in die gleiche Form" bringen
  • Inkonsistente Textteile umformulieren

[Bearbeiten] Schrift-Stil

Die Wahl der Typographie gibt den internen und externen Stakeholdern Auskunft über euch. So repräsentiert Schriftdesign auf eure Werte, Ziele und euren Stil. Sie gehört zu den Kernelementen eures Corporate Designs.

Häufig werden Schriftstile analog zu ihrer historischen Entwicklung kategoriert, so wie in der [DIN 16518]. Eine anschaulichere Darstellung dieser Vorgehensweise findet man hier: [designguide.at]. Demnach ist das 20. Jahrhundert stark geprägt worden durch die Entwicklung neuer und aus Antiqua-Schnitten abgeleiteter serifenloser Schriften. Sowie durch mittels neuer technischer Möglichkeiten realisierbarer Spielarten, die die strengen Grenzen der Typlogien sprengen.

In Corporate Designs spielt Typographie seit Jahrzehnten eine sehr wichtige Rolle und viel Geld wird ausgegeben für Corporate Fonts, individuell für einen Auftraggeber angefertigte "Hausschriftarten".

So empfehlen wir, diesen Gedanken im kleineren Rahmen eurer Projekt-PR zu berücksichtigen, etwa durch

  • bewusste Auswahl einer Typographie, die zu euren Zielen, Werten und Ansätzen passt
  • Einordnung der Typographie in ein gestalterisches Gesamtkonzept, das sich aus der Corporate Identity ableitet
  • Reflektion unterschiedlicher Wahrnehmungsmuster bei verschiedenen Stakeholdern und in verschiedenen Gesellschaften.

[Bearbeiten] Andere makrotypographische Elemente

Der rot hervorgehobene Satzspiegel gestaltet die Beziehung zwischen Fläche und Satzbereich.
Zu diesen grundlegenden Festlegungen gehören auch weitere Bereiche, in denen Schrift mit inhaltlichen Elementen und gestalterischen Elementen auf dem Blatt oder im Bildschirmausschnitt in Interaktion tritt. Hier legt man zum Beispiel fest
  • den Satzspiegel (das Verhältnis von mit Buchstaben versehenen Raum zu unbedrucktem Raum) oder
  • das Gestaltungsraster (ein konstruiertes Ordnungssystem für die verschiedenen Elemente)
  • Zeilenabstand, Spaltenabstand, Laufweite der Buchstaben
  • Schriftfamilien, Schriftschnitte, Schriftgrößen
  • ...

[Bearbeiten] Fach-Chinesisch

Die Beherrscher der "schwarzen Kunst" sind auch im Zeichen der Typo- und Druck-Demokratie stolz auf ihr Wissen – völlig zu Recht. Als Ausweis dieses Selbstverständnisses haben sie eine sehr umfangreiche Fachsprache entwickelt. Gerade in der Mikrotypografie gibt es viel Terminologie, die einzelne Schriften in ihrer Charakteristik besser erfasst als allgemeine Begrifflichkeiten. Diese jedoch darzustellen sprengt die hier zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Zur kurzen Aufklärung ein paar elementare Erläuterungen:

Begriff Erklärung

Schriften oder
Fonts

Buchstaben, Satzzeichen, Sonderzeichen, andere Zeichen - einheitlich gestaltet


Schriftschnitt oder
Style

Die verschiedenen Varianten einer Schrift: kompakt, leicht, kursiv, fett, halbfett oder extrafett...


Schriftfamilie

Alle Schnitte einer Schrift gehören zu einer Schriftfamilie. So umfasst die hier verwendete Schriftfamilie Open Sans zehn Schnitte.

Zeichensatz

Die Zeichen, die eine Schrift umfasst - westlich, arabisch, mitteleuropäisch, kyrillisch...

Sonderzeichen

Diejenigen Zeichen, die nicht zum begrenzten Standard-Schriftsatz gehören. Wie die Umlaute Ä, Ö, Ü, Interpunktionszeichen (etwa der folgende Gedankenstrich – korrekt eingesetzt anstatt dem kürzeren "-") oder auch Ligaturen.

Ligaturen

Zeichen, die aus ästhetischen Gründen schwierige Buchstabenkombinationen wie "ffl" durch einen einzelnen Buchstaben ersetzen: ffl ersetzt f-f-l wie hier: Suffleben.

Durchschuss

Zeilenabstand

Satz

Flattersatz bildet an einer Seite eine bündige Linie (linksbündig oder rechtsbündig). Blocksatz bildet an allen Seiten des Satzspiegels bündige Linien.

Unicode

Im Gegensatz zum früheren beschränkten ASCI-Format für digitale Dateien, enthält Unicode mehr Möglichkeiten, Sonderzeichen zu speichern.

Open Type Font (OTF)

Das neuere Standardformat für Fonts. Es kann neben den normalen Buchstaben eines Zeichensatzes auch besondere Zeichen enthalten. Nach wie vor verbreitete andere Formate: true Type (TTF) und Postscrip (PS).

[Bearbeiten] Der nächste Schritt: Auswahl einer Schriftart

Es gibt im Internet viele Seiten mit Schriftarten. Einige davon sind auch wirklich sehr gute Quellen. Aber natürlich gibt es da oft einen Haken. So haben kostenlos angebotene Fonts sehr oft keine Sonderzeichen.

Und nur wenige Fonts sind so gut entwickelt, dass man für mehrsprachige Publikationen Schriftzeichen aller in der Publikation verwendeten Sprachen verwenden kann.

Immerhin haben die Standardschriften aus den großen Textverarbeitungsprogrammen zumindest kyrillische Zeichen und die verschiedenen lateinischen Varianten integriert. Wenn ihr ausgefallene Schriftarten verwendet, achtet darauf, dass die Menschen, die mit eurem Text arbeiten, diese Schriftart auch zur Verfügung haben.

  • Die Schriftmischung stimmt - die verwendeten Schriftarten passen zueinander
  • Vollständigkeit: Sie enthalten alle Zeichen, die Ihr benötigt
  • Repräsentation: Ihr stellt euch angemessen gegenüber möglichst vielen Stakeholdern
  • Sie können legal erworben werden
  • Sie funktionieren medienübergreifend in den von euch angedachten Medien und Produkten

[Bearbeiten] Die Mikro-Typographie

Die Entwicklung der Typographie ist eng mit der des Buchdrucks verbunden. Demzufolge gibt es national unterschiedliche Konventionen, wie Text gesetzt wird. Dies kann man am Gebrauch der Anführungszeichen demonstrieren

»Ein deutsches Zitat mit nach innen gerichteten französischen Anführungszeichen«
«Ein russisches Zitat mit nach außen gerichteten französischen Anführungszeichen» 

Einen leicht verständlichen Einblick in solche Feinheiten bietet die Seite von Typefacts.

[Bearbeiten] Namen und Sonderzeichen

Besonders bei internationalen Publikationen mit Übersetzung müssen Sprachregelungen abgestimmt werden. Hier kommen Sonderzeichen anderer Sprachen ins Spiel. Texte werden ohne sie oft unverständlich und verändern ihre Bedeutung.

Ein Ungar kann zwischen Ö und Ő unterscheiden, eine Deutsche nicht. 

Auch bei Transkriptionen ist auf Einheitlichkeit zu achten: Nicht jeder weiß, dass Lodsch, Lodz und Łódź ein und dieselbe Stadt bezeichnen. Gleiches gilt für Lemberg, Lwów oder Lviv – hier spielen auch nationalsprachliche Wahrnehmungen eine große Rolle.

Fördernde Insitutionen und eingeladene Personen möchten außerdem möglichst korrekt erwähnt werden. Oft haben sie auch eine klar definierte Sprachregelung - und Vorstellung davon, wie sie an welcher Stelle in Publikationen erscheinen wollen.

So ist das Theodor-Heuss-Kolleg im Russischen  ein Коллегия им. Теодора Хойсса. 
Was nicht zu verwechseln ist mit einem Коллегия имени Теодора Хойсса. 

Und die Robert Bosch Stiftung  möchte im Englischen nicht Robert Bosch Foundation sein. 

Auch für Personen gilt wenn möglich eine möglichst originalgetreue Darstellung

Prof. Dr. Petra Kullová
Krzysztof Jagiełło

[Bearbeiten] Nummern richtig setzen

Sehr häufig müssen Daten, Telefonnummern und Bankverbindungen angegeben werden. Auch hier gibt es landestypische Traditionen. Man muss aber konsequent sein und möglichst überall die gleiche Schreibweise benutzen. Für Deutschland gilt zum Beispiel

Telefonnummern nach DIN 5008 und dem International Telecommunications 
Union Standard E.123: +49 30 315174-80 oder 030 315174-80

Regel: Die funktionalen Teile trennt ein Leerzeichen oder Punkt: Landesvorwahl Ortsvorwahl Nummer -Durchwahl

International Bank Account Number (Deutsche Schreibweise): DE11 2222 2222 2222 2222 22
Bank Identifier Code: ABCDE6FG

Regel: Die IBAN wird vorne beginnend in Viererkolonnen gesetzt. Der BIC wird nirgendwo separiert.

Datum nach ISO 8601: 2004-07-11

Regel: JJJJ-MM-TT. Nach alter DIN: 11. Juli 2004 bzw. 11.07.2004

[Bearbeiten] Typografie im Web und auf dem Computer

Die Browser und Textsatz-Programme stellen standardmäßig nur die Fonts dar, die ein Benutzer installiert hat.

[Bearbeiten] Fonts installieren

Installiert werden Fonts, indem sie in einen Ordner kopiert werden:

Windows: C/Windows/Font
Linux: home/.fonts (oder Doppelklick auf die Font-Datei)
Mac: /Users/Your_username/Library/Fonts (oder font book zum Installieren nutzen)

[Bearbeiten] Standard-Fonts

Standardmäßig sind nur die Fonts des Betriebssystems installiert. Zwar sind auch Schriften weit verbreitet, die Microsoft mit seinen Office-Paketen ausliefert. Man kann aber nicht mehr davon ausgehen, dass alle Menschen diese Schriften installiert haben. Deshalb werden oft nur sehr wenige verschiedene Schriftarten im Web benutzt

Arial, sans-serif, Helvetica oder Verdana für serifenlose Schriften
Times New Roman, Times, Georgia für Serifenschriften.

Achtung: Verdana und Georgia sind deutlich unterscheidbare Schriften. Arial und Sans Serif hingegen hingegen unterscheiden sich in der Wahrnehmung des Durchschnittsnutzers kaum - sie haben unterschiedliche Namen, weil sie zu unterschiedlichen Betriebssystemen gehören.

[Bearbeiten] Neue Methode für Websites: font-face

Mit der Webprogrammierung mit "CSS" und unter Benutzung des CSS-Befehls "font-face" lassen sich auch andere Schriften im Browser darstellen. Das funktioniert auch mittlerweile ganz gut - allerdings nicht für die Druckvorschau-Darstellung von Dokumenten. Nur: Diese Schriften müssen dafür auch zu nutzen sein. Wenn man einen urheberrechtlich geschützten Font benutzt, den man nicht veröffentlichen darf, macht man sich strafbar.

[Bearbeiten] Ressourcen

Wir haben einige Websites und Tools für den Gebrauch von Typografien gesammelt: Typografie-Links

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