Forumtheater

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Forumtheater ist eine Methode des sogenannten Theaters der Unterdrückten, entwickelt von Augusto Boal zu Zeiten der Militärdiktatur in Brasilien und heute vom von Boal gegründeten Centro de teatro do oprimido gepflegt. Neben dem Forumtheater entwickelten Boal und seine Mitstreiter auch andere interessante Theatermethoden, die sich mit gesellschaftlicher Relalität auseinandersetzen und zur aktiven partizipation anregen. So zum Beispiel das unsichtbare Theater oder das Zeitungstheater.

Im klassischen Forumtheater werden Gewalterfahrung und Diskriminierung aufgegriffen und in Szenen dargestellt, um gemeinsam nach befreienden Handlungsalternativen zu suchen. Dabei werden die Rollen von Spielern und Zuschauern aufgehoben, das heißt die Zuschauer werden zu Zu-Spielern, die jederzeit in die gespielte Szene einsteigen können.

Den Ausgangspunkt bilden konkrete Erlebnisse aus dem Alltag, Konfliktsituationen, Situationen,in denen Ängste vorherrschen, oder einfache Alltagsgeschichten. Ziel des Forumtheaters ist es, durch das Wiederholen der Szenen verschiedene Handlungsweisen und -möglichkeiten bewusst zu machen. Dadurch wird Unausgesprochenes zunächst sichtbar und kann dann in der Diskussion reflektiert werden. In weiteren Schritten können die Teilnehmer mit Alternativen experimentieren und sich für zukünftige Alltagssituationen im geschützten Raum ausprobieren.

Über die spielerische Darstellung von Szenen aus dem Alltag werden Handlungsspielräume und -alternativen gemeinsam erarbeitet. Die Methode kann auch zur Konfliktlösung verwendet werden. Verschiedene Handlungsweisen werden in konkreten Situationen erprobt, reflektiert und verändert.

Der Spielleiter greift inhaltlich nicht in den Ablauf der Szenen ein. Er koordiniert lediglich die Auswahl der Spielszene zu Beginn und greift die „Stopp“-Rufe auf. Er animiert die Zuschauer zum Mitspielen und entlässt die Spieler aus ihren Rollen. Er startet jeweils die Szenen und bricht sie nur dann ab, wenn keine weitere Entwicklung mehr stattfindet.

[Bearbeiten] Grundmethode

  • 20 Personen
  • 1,5 Stunden

[Bearbeiten] Durchführung

1. Die Teilnehmer einigen sich auf eine erlebte Situation, die sie spielerisch darstellen wollen. Einige Teilnehmer spielen die Szene in ca. 10 Minuten. Dabei gibt es keinen festen Text, sondern jeder improvisiert seine Rolle. Es ist von Vorteil, wenn die Spieler dabei ihre Rollen möglichst markant darstellen, damit sich das Publikum die Charaktere leichter merken kann. [20 Minuten]

2. Die Zuschauer werden nun gefragt, wie sie die Situation empfunden haben und ob sie mit dem Ablauf zufrieden sind. In der Regel haben die Zuschauer Verbesserungsoder alternative Lösungsvorschläge. [10 Minuten]

3. Die Szene wird nochmals von den gleichen Spielern begonnen. Sobald ein Zuschauer etwas im Ablauf ändern möchte, ruft er „Stopp“, ersetzt den Spieler, dessen Rolle er verändern möchte, und spielt die Rolle im eigenen Sinne weiter. Die anderen Spieler passen sich an und reagieren entsprechend auf den neuen Mitspieler. [10 Minuten]

4. Die Zuschauer werden erneut gefragt, wie sie die Situation empfunden haben und ob sie mit dem Ablauf zufrieden sind. Die Szene wird nun so lange variiert, bis alle denkbaren Alternativen durchgespielt wurden.

5. Die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten werden abschließend diskutiert und auf ihre Anwendbarkeit in der Realität besprochen.

[Bearbeiten] Erfahrung

Vorraussetzung für einen erfolgreichen Verlauf ist, dass sich die Gruppe insgesamt gut kennt und Vertrauen zueinander hat. Dann können mit dieser Methode auch Gruppenkonflikte gelöst werden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Boal, Augusto: Theater der Unterdrückten: Übungen und Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler, Frankfurt/Main 1989, ISBN-13: 978-3518113615
  • Forumtheater-Toolkit von KommEnt – Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und dialogische Bildung
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